Sex am Abend vorm Wettkampf?

Vorm Wettkampf nochmal schnell knödeln!? 😀 Oder doch lieber darauf verzichten!? Mit dieser Frage beschäftigen sich regelmäßig zu großen Sportevents nicht nur die Medien, sondern auch die Trainer. Einige Coaches verordnen wie selbstverständlich ein Sexverbot am Tag vorm Wettkampf, weil sie davon überzeugt sind, dass durchs Ledern die körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtig wird (Stefani et al., 2016; Wooten et al., 2015) und der Fokus verloren geht (Wooten et al., 2015). Räuchert man den Biber, wird andererseits der Stress reduziert, die Entspannung gefördert und das Selbstbewusstsein gesteigert (Wooten et al., 2015). Aus diesem Grund gehen andere Trainer davon aus, dass Hobeln möglicherweise die Performance beim Sport verbessern kann oder zumindest nicht negativ beeinflusst. Daher überlassen sie es den Athleten. Aber welcher Ansatz ist jetzt besser? Ich habe mich auf die Suche begeben und ein paar interessante Dinge herausgefunden… 😉

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1. Der Zusammenhang von Sex und Sport

2. Energieverbrauch beim Sex

3. Sex = Entspannung?

4. Sexentzug bedeutet Aggression, oder!?

5. Fazit

Literatur

1. Der Zusammenhang von Sex und Sport

Der Zusammenhang von Sex und Sport beschäftigt die Menschheit anscheinend schon etwas länger 😀 Schon in der Antike hat man sich darüber Gedanken gemacht. Damals ist man davon ausgegangen ein Verzicht auf Sex vor Turnieren steigere die sportliche Leistungsfähigkeit und fördere die Einheit von von Körper und Geist. Griechische und römische Pädagogen haben zu dieser Zeit angenommen, dass große Opfer notwendig sind, um Erfolg zu sichern (Stefani et al., 2016). Vielleicht verfechten deshalb viele Trainer heutzutage ein Sexverbot vorm Wettkampf und vertreten die Annahme eine sexuelle Unbefriedigtheit und Frustration führt zu einer gesteigerten Aggression (Stefani et al., 2016; Wooten et al., 2015). Das eine Ejakulation das Testosteron aus dem Körper zieht und dadurch die Aggression sowie Kraft reduziert wird  (Stefani et al., 2016).

2. Energieverbrauch beim Sex

Viele Coaches denken, dass Sex am Tag vor dem Wettkampf die Leistung aufgrund des hohen Energieverbrauchs negativ beeinflussen kann (Ferraz & Costa et al., 2014). Durchschnittlich werden beim Sex jede Minute etwa 3 – 4 kcal verbraucht (Ferraz & Costa et al., 2014; Frappier et al., 2013; SayfollahPour et al., 2013). Es kommt natürlich drauf an wie lange es so dauert. Wenn man(n) allerdings pro Sexeinheit nur 9 – 12 kcal verbraucht, dann hält sich der Energieaufwand ja schon in Grenzen 😀 …ok ok…vlt gibt’s ja auch einige Leute die länger durchalten. Aber auch bei 20 min Spaß bleibt der Verbrauch mit 60 – 80 kcal noch überschaubar (Stefani et al., 2016). Wird der Sex härter, dann ehöht sich natürlich auch der Energieverbrauch. Allerdings sprechen wir hierbei über 250 kcal pro Stunde (Wooten et al., 2015). Vergleicht man das mit dem Treppensteigen, dann kann man vlt einen besseren Bezug zum Energieverbrauch herstellen. Nimmt man die Treppen und geht 11 Stockwerke (180 Stufen) einmal rauf und einmal runter liegt der Verbauch durchschnittlich bei etwa 29 kcal (Teh & Aziz, 2002). Wenn man also 11 Stockwerke nehmen kann ohne das man sich dabei erschöpft fühlt und die Leistung sinkt, dann wird also der Energieaufwand beim Knuspern scheinbar nicht wirklich ein Faktor sein der beim Wettkampf am nächsten Tag eine Rolle spielen könnte. 😉 Schon 1995 wurde getestet, wie sich ne Runde durchnudeln 12 Stunden vor einem maximalen Laufbandtest auf die Leistung auswirkt. Die Leistung wurde durch Sex nicht negativ beeinflusst (Boone & Gilmore et al., 1995).

3. Sex = Entspannung?

Sex kann dabei helfen zu entspannen und so zu einer guten Nachtruhe verhelfen (Wooten et al., 2015). Möglicherweise führt der Entzug von Sex sogar zu einem gestörten Schlaf und verringert die Schlafqualität (SayfollahPour et al., 2013)…Aaaabeer…Beim Stöpseln kann es mitunter schon länger dauern. Also nicht das bloße Knick-Knack, sondern das ganze Drumherum. Einige Frauen wollen umworben werden…naja manchmal auch einige Männer. 😉 Dann hier ein Küsschen und da ein Schmatza.  Naja Du weißt schon. 😀 Ich will drauf hinaus, dass durchs Knöppern unter Umständen auch die Nacht kürzer werden kann. Weniger Schlaf kann dann einen deutlichen Rückgang der körperlichen Leistungsfähigkeit bedeuten (Fullagar et al., 2015; Thun et al., 2015) und somit die Performance am Tag des Wettkampfs mitunter erheblich schwächen.

Einige Sportler machen sich vor einem Wettkampf selbst ziemlich fertig. Sie denken die ganze Zeit an das Turnier oder Spiel und stressen sich dadurch Tage vorher schon enorm. Eine Runde schnackseln (Oder mehr 😀 ) kann Abhilfe schaffen! Wie oben schon beschrieben kann Sex dabei helfen zu entspannen (Wooten et al., 2015). Außerdem beeinflusst Sex am Vortag nicht die Konzentration beim Wettkampf (Sztajzel et al., 2000).

4. Sexentzug bedeutet Aggression, oder!?

Durch sexuelle Befriedigung geht die Aggression im Wettkampf zurück. So ist die Annahme mancher Trainer (Stefani et al., 2016; Wooten et al., 2015). Wenn man die Frustrations-Aggressions-Hypothese heranzieht macht das Sinn. Gemäß dieser Theorie ist ein aggressives Verhalten typischerweise mit dem Erleben von Frustration verankert. Kurz gesagt: Man ist frustriert und wird dadurch aggressiv (Battigalli et al., 2015, S. 3). Es wird angenommen, dass diese Wut am Tag des Wettkampfes dazu führt die Leistung im Wettkampf zu verbessern (Wooten et al., 2015), weil man mit mehr Biss an die Sache geht. Der Gedanke klingt gar nicht so schlecht. Allerdings muss man sich fragen, ob Sexentzug wirklich dermaßen frustriert, sodass man noch am nächsten Tag darunter leidet. Ich perönlich leide tagelang 😀 …Aber es ist fraglich, ob es jedem so geht. 😉 Also hier gibt’s auf jeden Fall noch Klärungsbedarf.

5. Fazit

Es scheint also viel dafür zu sprechen, dass Sex am Tag vor einem Wettkampf die Leistungsfähigkeit nicht negativ beeinflussen wird (Stefani et al., 2016; Sztajzel et al., 2000). Die Untersuchungen die dazu durchgeführt wurden sprechen dafür mindestens 10 Stunden vor dem Wettkampf zu sexeln. Geht’s allerdings 2 Stunden vorm Wettkampf zur Sache, so scheint eine negative Wirkung wahrscheinlich (Stefani et al., 2016; Sztajzel et al., 2000). Möglicherweise kann Sex am Vortag eher noch dabei helfen die Leistung im Wettkampf hochzuhalten ( 😉 ), indem Stress reduziert und Entspannung gefördert wird (Sztajzel et al., 2000).

Allerdings ist auf diesem Gebiet noch viel Forschungsbedarf notwendig. Wissenschaftliche Studien die die hormonelle Wirkung von Sex im Bezug zur sportlichen Leistung untersuchen bleiben momentan noch aus. Die meisten Studien zu der Thematik wurden an Männern durchgeführt. Daher sollte auch die Frage beantwortet werden, wie sich Sex auf die Leistungsfähigkeit bei beiden Geschlechtern auswirkt. Darüber hinaus ist es interessant zu wissen, welche Effekte Sex auf verschiedene Sportarten hat. Auch die Rolle des Höhepunkts ist nicht hinreichend geklärt. Außerdem bleibt bislang die Frage offen, wie sich die Masturbation auf die sportliche Leistungsfähigkeit auswirkt (Stefani et al., 2016).

Literatur

Battigalli, P, Dufwenberg, M. & Smith, A. (2015). Frustration and Anger in Games. CESifo Working Paper Series No. 5258. Available at SSRN: https://ssrn.com/abstract=2591839

Boone, T. & Gilmore, S. (1995). Effects of sexual intercourse on maximal aerobic power, oxygen pulse, and double product in male sedentary subjects. The journal of sports and medicine and physical fitness. Volume 35 (3). pp. 214 – 217.

Ferraz, L. & Costa, P. (2014). Effects of sexual intercourse on maximal aerobic power, oxygen pulse, and double product in male sedentary subjects. Rev. Med. Desportiva Inform. Volume 5 (4). pp. 21 – 22.

Frappier, J., Toupin, I., Levy, J. J., Aubertin-Leheudre, M. & Karelis, A. D. (2013). Energy expenditure during sexual activity in young healthy couples. Plos one. Volume 8 (10).

Fullagar, H. H. K., Skorski, S., Duffield, R., Hammes, D. Coutts, A. J. & Meyer, T. (2015). Sleep and atheltic performance: The effects of sleep loss on exercise performance, and physiological and cognitive responses to exercise. Sports medicine. Volume 45. pp. 161 – 186.

SayfollahPour, P., Heidary, M. & Mousavi, M. (2013). A psychological consideration of sexual activity impact upon sporting performance: An overview. International journal of academic research in business and social sciences. Volume 3. Number 5.

Stefani, L., Galanti, G., Padulo, J., Bragazzi, N. L. & Maffulli, N. (2016). Sexual activity before sports competition: A systematic review. Frontiers in physiology. 7:246.

Sztajzel, J., Periat, M., Marti, V., Krall, P. & Rutishauser, W. (2000). Effect of sexual activity on cycle ergometer stress test parameters, on plasmatic testosterone levels and  on concentration capacity. A study in high-level male athletes performed in the laboratory. The journal of sports medicine and physical fitness. Volume 40 (3). pp. 233 – 239.

Teh, K. C. & Aziz, A. R. (2002). Heart rate, oxygen uptake, and energy cost of ascending and descending the stairs. Medicine & science in sports & exercise. Volume 34. Number 4. pp. 695 – 699.

Thun, E., Bjorvatn, B., Flo, E., Harris, A. & Pallesen, S. (2015). Sleep, circadian rhythms, and athletic performance. Sleep Medicine Reviews. Volume 23. pp. 1 – 9.

Wooten, M. H., Bennett, B. & Holland Fiorentino, L. (2015). Perceived role of sexual activity on a collegiate athlete’s performance. The international journal of kinesiology in higher education. Volume 26. Number 2. pp. 18 – 22.

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